Ein umfassender Vortrag für Pflegekräfte und Angehörige – von der Diagnose bis zur Palliativpflege.
Vortrag beginnen ↓Was passiert im Gehirn? Welche Formen gibt es? Wie wird Demenz diagnostiziert?
Kapitel 1 · Medizin & Diagnose
Demenz ist kein normaler Teil des Alterns, sondern ein pathologischer Prozess: Nervenzellen sterben ab, Verbindungen zwischen Hirnregionen brechen zusammen. Der Begriff leitet sich vom Lateinischen de mens – „weg vom Verstand" – ab, was jedoch die Würde Betroffener nicht erfasst.
Etwa zwei Drittel aller Betroffenen werden zu Hause gepflegt – meist von Angehörigen ohne professionelle Ausbildung. Pflegekräfte sind daher nicht nur im stationären Bereich, sondern auch als Berater und Entlastungsangebote entscheidend.
Kapitel 1 · Medizin & Diagnose
Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen zerstören Nervenzellen. Beginnt im Hippocampus (Gedächtniszentrum). Schleichender Beginn.
Durchblutungsstörungen nach Schlaganfällen oder Mikroinfarkten. Stufenweiser Verlauf, oft mit Depressionen.
Proteinablagerungen in Neuronen. Halluzinationen, Parkinson-Symptome, extreme Schwankungen der Wachheit.
Stirn- und Schläfenlappen betroffen. Persönlichkeitsveränderungen, enthemmtes Verhalten, oft jüngere Patienten (50–60 J.).
Mischformen: In der Praxis liegen häufig Mischformen vor – z.B. Alzheimer + vaskuläre Demenz. Dies beeinflusst den Pflegebedarf erheblich.
Kapitel 1 · Medizin & Diagnose
Demenz ist progredient – sie schreitet fort. Die Phasen verlaufen unterschiedlich schnell, im Durchschnitt über 7–10 Jahre.
Kapitel 1 · Medizin & Diagnose
Eine frühe Diagnose ermöglicht bessere Planung und ggf. den Einsatz symptomverzögernder Medikamente. Die Diagnose erfolgt meist durch Neurologie, Psychiatrie oder Gedächtnisambulanzen.
Denke an die häufig genannte Form mit Amyloid-Plaques.
✅ Richtig! Die Alzheimer-Demenz ist mit 60–70 % aller Fälle die häufigste Form. Sie ist durch Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen gekennzeichnet und beginnt meist im Hippocampus.
❌ Leider falsch. Die richtige Antwort ist B – Alzheimer-Demenz. Mit 60–70 % ist sie die mit Abstand häufigste Form.
Kapitel 1 · Fallbeispiel
Wie sprechen wir mit Menschen mit Demenz? Wie hören wir wirklich zu?
Kapitel 2 · Kommunikation
Kapitel 2 · Kommunikation
Die Validation-Methode (entwickelt in den 1960ern) geht davon aus, dass das Verhalten von Menschen mit Demenz eine innere Bedeutung hat. Statt zu korrigieren, werden Gefühle und Realität des Betroffenen anerkannt.
Frau K. (79) steht täglich um 16 Uhr an der Tür: „Ich muss jetzt nach Hause, meine Kinder warten!"
Kapitel 2 · Kommunikation
Das Langzeitgedächtnis bleibt bei Demenz oft bis ins mittlere Stadium erhalten. Biografiearbeit nutzt dieses Potenzial gezielt zur Kontaktaufnahme und Aktivierung.
Persönliche Alben aus Jugend, Beruf, Familie aktivieren emotionale Erinnerungen und fördern Erzählungen.
Musik aus dem 20.–30. Lebensjahr ist besonders tief verankert. „Musikgedächtnis" bleibt oft bis ins Spätstadium erhalten.
Kaffeeduft, Holz, Gartenerde – Gerüche aktivieren das emotionale Gedächtnis besonders stark (limbisches System).
Gemeinsam erstelltes Buch mit Steckbrief, Fotos, Lieblingsrezepten – wichtiges Übergabedokument für alle Pflegenden.
„Erinnerungen sind der Boden, auf dem Würde wächst." – Naomi Feil
✅ Genau richtig! Validation bedeutet, die emotionale Wirklichkeit des Betroffenen anzuerkennen – weder korrigieren noch aktiv bestätigen, sondern empathisch spiegeln.
❌ Leider falsch. Richtig ist C: Validation bedeutet, Gefühle ernst zu nehmen und zu spiegeln – ohne Widerspruch, aber auch ohne aktive Lüge.
Kapitel 2 · Fallbeispiel
Aggression, Wandern, Sundowning, Halluzinationen – Ursachen verstehen und sicher handeln.
Kapitel 3 · Herausforderndes Verhalten
Aggressives Verhalten ist keine „Absicht" – es ist meist Ausdruck von Angst, Schmerz, Überforderung oder dem Versuch, die letzte Kontrolle zu behalten.
Wichtig: Aggressive Episoden entstehen häufig bei Körperpflege, Ankleiden oder unangekündigten Handlungen. Prävention ist die beste Intervention.
Kapitel 3 · Herausforderndes Verhalten
Etwa 60 % aller Menschen mit mittelschwerer Demenz entwickeln Wandertendenzen (Wandering). Es ist ein Ausdruck von Unruhe, Suche nach Vertrautem oder dem Bedürfnis nach Bewegung.
Schwarze Fußmatten oder aufgemalte Stoppschilder auf dem Boden vor Ausgangstüren werden von vielen Betroffenen unbewusst als Barriere wahrgenommen und reduzieren Hinlaufversuche ohne freiheitseinschränkende Maßnahmen.
Kapitel 3 · Herausforderndes Verhalten
Abendliche Zunahme von Verwirrung, Unruhe, Ängsten. Ursache: zirkadiane Rhythmusstörung, Lichtmangel, Erschöpfung.
Besonders bei Lewy-Körper-Demenz. Oft visuelle Halluzinationen (Personen, Tiere). Meist nicht bedrohlich – kein Widerspruch.
✅ Richtig! Deeskalation durch Pause, Distanz und ruhige Stimme ist der erste Schritt. Danach: Ursache suchen (Schmerz? Angst?). Erst wenn das nicht hilft, weitere Maßnahmen einleiten.
❌ Nicht optimal. Richtig ist C: Zunächst stoppen, Abstand schaffen, beruhigen. Laute Befehle und Weiterführen erhöhen die Aggression. Medikamente sind immer der letzte Ausweg.
Kapitel 3 · Fallbeispiel
Rechtliche Grundlagen, Patientenverfügung, Fixierung und ethische Konflikte in der Pflege.
Kapitel 4 · Recht & Ethik
Kapitel 4 · Recht & Ethik
Pflegende stehen täglich vor ethischen Dilemmata, bei denen verschiedene Werte in Konflikt geraten.
| Situation | Konfliktpole | Handlungsempfehlung |
|---|---|---|
| Bewohner lehnt Essen ab | Autonomie vs. Fürsorge | Zeitpunkt variieren, Lieblingsessen, Team + Arzt einbeziehen |
| Hinlauftendenz, keine Fixierung gewünscht | Sicherheit vs. Freiheit | GPS-Tracker, Hinlaufschutz ohne FEM, richterliche Entscheidung |
| Angehörige wünschen mehr Therapie | Familienwunsch vs. Patientenwille | Patientenverfügung, Ethikkonferenz, ärztl. Entscheidung |
| Bewohner hat sexuelle Ausdrücke | Würde vs. Verhaltensfreiheit | Kontext verstehen, Team schulen, nicht bestrafen |
Ethikkomitees in Einrichtungen bieten strukturierte Beratung in komplexen Fällen. Jede Einrichtung sollte einen klar definierten ethischen Reflexionsprozess haben.
✅ Korrekt! Dauerfixierungen sind freiheitsentziehende Maßnahmen und benötigen nach § 1831 BGB eine richterliche Genehmigung oder die ausdrückliche Zustimmung des rechtlichen Betreuers. Alternativen sind immer zuerst zu prüfen.
❌ Falsch. Richtig ist C: Dauerfixierungen benötigen eine richterliche Genehmigung. Die eigenmächtige Entscheidung durch Pflegekräfte oder Leitungen ist rechtswidrig und strafbar.
Angehörige als Partner in der Pflege – Belastungen, Kommunikation und Entlastungsangebote.
Kapitel 5 · Angehörigenarbeit
Angehörige sind die größte Pflegegruppe Deutschlands. Gleichzeitig sind sie oft über Jahre hinweg chronisch überlastet – körperlich, emotional und sozial.
Kapitel 5 · Angehörigenarbeit
Pflegekräfte müssen häufig belastende Nachrichten übermitteln – Krankheitsfortschritt, Verhaltensveränderungen, Heimunterbringung. Strukturierte Gesprächsführung hilft allen Seiten.
Raum & Zeit schaffen: Kein Gespräch im Flur. Ruhiger Raum, ausreichend Zeit (min. 30 Min.), ohne Unterbrechungen.
Perspektive erfragen: „Was wissen Sie bereits? Was beschäftigt Sie am meisten?" – Angehörige wissen oft mehr als man denkt.
Offen und klar kommunizieren: Keine Floskeln, keine falschen Hoffnungen. Ehrlichkeit in warmherziger Form.
Raum für Emotionen lassen: Schweigen aushalten. Nicht sofort Lösungen anbieten. Taschentücher bereitstellen.
Konkrete nächste Schritte: Am Ende des Gesprächs immer: Was passiert als nächstes? Wer ist Ansprechpartner?
„Das Schlimmste, was Sie einem Angehörigen sagen können: ‚Machen Sie sich keine Sorgen.' Sorgen sind Liebe."
✅ Richtig! Pflegende Angehörige leisten im Durchschnitt ca. 36 Stunden Pflege pro Woche – das entspricht einem Vollzeitjob und erklärt die hohe Burnout-Rate in dieser Gruppe.
❌ Leider falsch. Die Antwort ist C – ca. 36 Stunden pro Woche. Das ist nahezu ein Vollzeitjob und erklärt, warum pflegende Angehörige ein dreifach erhöhtes Depressionsrisiko haben.
Kapitel 5 · Fallbeispiel
Würdevolles Begleiten in der letzten Lebensphase – Symptomkontrolle, Sterbebegleitung und Trauer.
Kapitel 6 · Palliative Pflege
Palliativpflege bei Demenz beginnt nicht erst in den letzten Wochen – sondern ist eine Haltung, die den ganzen Verlauf begleitet. Ziel ist nicht Heilung, sondern bestmögliche Lebensqualität bis zuletzt.
Schmerzen, Atemnot, Unruhe frühzeitig erkennen und behandeln. Betroffene können Schmerzen oft nicht äußern – Verhaltensbeobachtung ist entscheidend (BESD-Skala).
Bei fortgeschrittener schwerer Demenz ist eine PEG-Sonde laut S3-Leitlinie in der Regel nicht empfohlen, da kein gesicherter Nutzen für Lebensqualität oder Überleben besteht. Im Vordergrund stehen sorgfältige Handreichung, Mundpflege, kleine Mengen nach Wunsch und Orientierung am Patientenwillen. Entscheidungen müssen stets individuell getroffen werden.
Ruhige Umgebung, vertraute Stimmen, Berührung, Musik. Auch wenn keine Reaktion erkennbar – Wahrnehmung bleibt oft bis zuletzt erhalten.
Niemand sollte allein sterben. Angehörige informieren und einbeziehen. Sterbezeichen erkennen und benennen können.
Kapitel 6 · Palliative Pflege
Im Spätstadium der Demenz können Betroffene Schmerzen nicht mehr verbal äußern. Pflegekräfte müssen Schmerzen aus dem Verhalten ablesen.
Achtung: Unbehandelte Schmerzen sind eine häufige und oft übersehene Ursache für aggressives Verhalten, Unruhe und Schlafstörungen im Spätstadium – oft wird das nur als „Demenz-Symptom" wahrgenommen.
Die BESD-Skala (0–10) erfasst fünf Kategorien anhand von Beobachtung:
Zum Weiterschauen
Diese Videos ergänzen den Vortrag mit praktischen Einblicken und emotionalen Perspektiven.
✅ Richtig! Im Spätstadium steht Wohlbefinden im Vordergrund. PEG-Sonden verlängern bei schwerer Demenz nicht nachweislich das Leben oder verbessern die Lebensqualität – Mundpflege, kleine Mengen und Zuwendung sind wertvoller.
❌ Nicht korrekt. Richtig ist B: PEG-Sonden sind bei schwerer Demenz ohne klare Patientenverfügung kritisch zu sehen. Mundpflege, sorgfältige Handreichung kleiner Mengen und menschliche Zuwendung sind oft die bessere Wahl.
Kapitel 6 · Fallbeispiel
Kapitel 7
Langzeitpflege von Menschen mit Demenz ist emotional und körperlich extrem belastend. Ohne aktive Selbstfürsorge drohen Burnout, Mitgefühlsmüdigkeit und innere Kündigung.
Mitgefühlsmüdigkeit (Compassion Fatigue) beschreibt das Gefühl emotionaler Erschöpfung, Abstumpfung und Rückzug – obwohl man eigentlich fürsorglich sein will.
Ressourcen & Weiterbildung
deutsche-alzheimer.de · Umfangreiches Infomaterial, Schulungen, regionale Gruppen. → Website öffnen
030 / 259 37 95 14
Mo–Do 9–18 Uhr
Kostenlos, vertraulich
„Kommunikation mit Demenzkranken" (Naomi Feil) · „Das Demenz-Buch" (Alzheimer Gesellschaft) → Bei Thalia suchen
Alzheimer's Disease International · alz.co.uk · Jährliche Weltberichte → Website öffnen
Geriatrische Pflege, Validation, Palliative Care – Diakonische Fort- und Weiterbildungsakademie. → dfa-hamburg.de
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) · dzne.de → Website öffnen
Demenzpflege ist eine der anspruchsvollsten und gleichzeitig menschlichsten Aufgaben in der Medizin. Jede Geste der Fürsorge, jede Minute echten Zuhörens macht einen Unterschied.
"Demenz raubt nicht die Seele – die Person bleibt, auch wenn die Worte fehlen." – Naomi Feil↑ Von vorne beginnen
Bonus · Vertiefende Fragen
Fragen, die sich viele stellen – hier ausführlich beantwortet.
Bonus · Pharmakologie
Eine Heilung der Demenz ist derzeit nicht möglich. Medikamente können jedoch Symptome lindern, den Verlauf verlangsamen und die Lebensqualität verbessern. Hier die wichtigsten Wirkstoffgruppen.
Denke an den Botenstoff, der bei Alzheimer vermindert ist.
✅ Richtig! Cholinesterasehemmer blockieren das Enzym, das Acetylcholin abbaut – dadurch bleibt mehr von diesem wichtigen Botenstoff für Gedächtnis und Aufmerksamkeit verfügbar.
❌ Leider falsch. Richtig ist B: Cholinesterasehemmer verhindern den Abbau von Acetylcholin. Bei Alzheimer ist genau dieser Botenstoff stark vermindert – mehr davon verfügbar zu haben verbessert Kognition und Alltagsfähigkeiten.
✅ Korrekt! Bei Lewy-Körper-Demenz sind klassische Antipsychotika absolut kontraindiziert – sie können schwere, lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktionen mit starker Verschlechterung der Motorik und Bewusstseinstrübung auslösen.
❌ Falsch. Die Antwort ist C: Bei Lewy-Körper-Demenz sind klassische Antipsychotika absolut kontraindiziert – nicht nur riskant, sondern potenziell lebensbedrohlich. Das ist klinisch extrem wichtig zu wissen!
Bonus · Glossar
Bonus · Checkliste
Diese Punkte können als tägliche Orientierung dienen – zum Ausdrucken oder als mentale Checkliste.
Augenkontakt vor dem Sprechen – immer zuerst in Sichtfeld treten, Blickkontakt aufbauen, dann sprechen.
Kurze, klare Sätze – max. 7–8 Wörter, keine Verneinungen, keine Mehrfachfragen.
Zeit lassen – mind. 10–15 Sekunden auf Antwort warten, nicht vorwegnehmen.
Routinen einhalten – gleicher Ablauf jeden Tag gibt Sicherheit und reduziert Angst.
Würde bewahren – Entscheidungen anbieten, auch kleine. Nie über Betroffene hinwegsprechen.
Nicht korrigieren – validieren – Gefühle ernst nehmen, nicht in die Realität zwingen.
Schmerzen beobachten – täglich BESD-Assessment, besonders bei Verhaltensveränderungen.
Biografie nutzen – Musik, Fotos, Düfte aktivieren Langzeitgedächtnis und emotionale Verbindung.
Eigene Grenzen kommunizieren – Belastung im Team ansprechen, Supervision nutzen, Pausen einplanen.
Rechtliches kennen – Patientenverfügung und Betreuer kennen, FEM nur mit Genehmigung, Schweigepflicht einhalten.
Diese Checkliste kann ausgedruckt und im Pflegezimmer aufgehängt werden – als tägliche Erinnerung für das ganze Team.
📄 Vortrag als PDF
Alle Kapitel, Fallbeispiele, Wissens-Checks, Glossar und Checkliste als übersichtliches PDF zum Ausdrucken oder Speichern.
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Angehörige · Abschluss
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Jetzt ist Raum für Ihre Fragen, Erfahrungen und Gedanken.
Was hat Sie heute überrascht oder bewegt?
Welche Situationen zu Hause sind für Sie besonders herausfordernd?
Was wünschen Sie sich an Unterstützung – praktisch oder emotional?
Alzheimer-Telefon: 030 / 259 37 95 14 · Mo–Do 9–18 Uhr · Kostenlos & vertraulich
Die letzten 60 Sekunden zeigten einen kleinen Ausschnitt, wie sich Wahrnehmungsstörungen bei Demenz anfühlen können – verschwommene Orientierung, verzerrte Realität, Reizüberflutung, Verlust von Ankerpunkten.
Für Menschen mit Demenz ist das nicht ein Moment – es ist der Alltag.
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⚠️ Nach 60 Sek. startet eine Demenz-Wahrnehmungssimulation
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